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Buchtipp des Monats

Jana Revedin: Jeder hier nennt mich Frau Bauhaus - Das Leben der Ise Frank, Dumont Verlag, 2019, autobiografischer Roman

Ise Frank hatte als Journalistin und Buchhändlerin gearbeitet, als sie 1923 mit 26 Jahren den Bauhaus-Gründer Walter Gropius auf einem Vortrag kennenlernt. Etwas zögernd lässt sie sich auf den wesentlich älteren „Rebellen-Architekten“ ein – um sich dann, erst in Weimar, dann in Dessau, umso begeisterter mit der Bauhaus-Idee zu identifizieren.  Wohlgemerkt – es handelt sich hier um einen Roman und nicht um eine Biografie über Ise Frank. Gut recherchiert und gestützt auf viele Quellen hat die Architekturprofessorin Jana Revedin jedoch ein bemerkenswertes Buch über den Weg dieser Ise Frank geschrieben, das zugleich ein vielschichtiges Porträt der legendären Institution ist.
Von der Bauhaus-Ausstellung 1923 über den erzwungenen Umzug nach Dessau und die Einweihung der spektakulären Meisterhäuser bis zur Kündigung der Finanzierung des Flugunternehmers Junkers – womit schon der Anfang des Endes durch die Nazis 1933 eingeläutet wird: Ise Frank begleitete alle Entwicklungen. Sie war die beste Öffentlichkeitsarbeiterin, die sich Gropius hätte wünschen können, tat Finanzquellen auf und stellte ihre ausgeprägten Fähigkeiten als Networkerin der Bauhaus-Sache zur Verfügung. Aber sie hat auch die Einrichtung des Meisterhauses nach ergonomischen Prinzipien vorgenommen und als Erste über die Arbeitsersparnis der Hausfrau Artikel geschrieben.
Auf Beziehungsebene ist Gropius für Ise oft nicht zu greifen – doch durch ihre starke Identifikation mit dem Bauhaus bindet sie sich auf schicksalhafte Weise umso enger an ihn, obwohl Frauenheld Gropuis fremdgeht und Ise ein Kind und zeitweise sich selbst verliert. Ise Frank hat das Bauhaus mitgestaltet, mit ihren Kontakten sorgte sie sogar dafür, dass nach der Schließung in Berlin ein New Bauhaus in Chicago gegründet werden konnte. Und während ihr Mann nach der gemeinsamen Emigration in die USA zu Weltruhm gelangte, konnte sie nur noch unter seinem Namen publizieren.
Es ist der Verdienst dieses kleinen, aber feinen und berührenden biografischen Romans, dass Ise Frank aus dem Halbschatten endlich ins Licht gerückt werden kann. Mit einfühlsamer Sprache werden Zeitkolorit und Zeitgeist der 20er-Jahre wunderbar illustriert und Fakten und Fiktion über eine ungewöhnliche Frau verwoben. Dieser Roman macht richtig Lust darauf, noch viel mehr über das Bauhaus-Wirken und seine kreativen Köpfe zu erfahren …